Trendpflanze Chinaschilf

In der Geschichte der Gartenkultur gab es immer wieder unterschiedliche Pflanzengruppen, die in besonderem Maße in den Fokus der Planer rückten. Konform zur jeweiligen Gartenmode unterstreichen sie den aktuellen Trend durch ihre Gestalt, eine besondere Farbigkeit oder ihren individuellen Ausdruck. Die meisten dieser Trendpflanzen betreten für einen gewissen Zeitraum die Gartenbühne, um irgendwann wieder in Vergessenheit zu geraten. Doch manchmal überzeugt eine neue Gartenpflanze derart, dass sie dauerhaft in den Olymp der unverzichtbaren Gartengewächse aufgenommen wird.

Das Chinaschilf (Miscanthus) hat sich in den letzten Jahren mit Sicherheit einen solchen Platz unter den besten Gartenpflanzen erkämpft und ist aus der modernen Pflanzenverwendung einfach nicht mehr wegzudenken. Bereits Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts erkannte der großartige deutsche Pflanzenkenner Karl Foerster (1874-1970) das einzigartige Gestaltungspotenzial von Gräsern für den Garten. Auch das Chinaschilf wurde von Foerster hoch gelobt und fand Einzug in seinen weltbekannten Garten in Bornim bei Potsdam.

Doch trotz des steten Einsatzes von Foerster und anderen Pflanzenspezialisten für die Verwendung von Ziergräsern im Garten, sollte es noch fast einhundert Jahre dauern, bis sich diese Pflanzengruppe fest etablieren konnte.

Ich habe meine große Liebe zu den Gräsern im Land der unbeschränkten Gartenmöglichkeiten, in England, entdeckt. In diesem unvergleichlichen Eldorado der Gartenkultur haben Gräser schon seit langem ihren festen Platz in der Gestaltung. Hier fand ich auch die meisten neuen Sorten des Chinaschilfes, die hierzulande oftmals noch völlig unbekannt waren. Seltsamer Weise stammten die meisten dieser herausragenden Züchtungen vom deutschen Gräserspezialisten Ernst Pagels (1913-2007).

Augenscheinlich erkannten unsere englischen Kollegen die besondere Güte der Pagels-Züchtungen auf Anhieb, während es hierzulande anscheinend erst der englischen Absolution bedurfte. Mittlerweile sind nicht nur seine älteren Spitzenzüchtungen wie ‘Kleine Silberspinne’, ‘Malepartus’ oder ‘Flamingo’ erhältlich, sondern auch die späteren seiner großartigen Auslesen, wie ‘Ghana’ oder ‘Sioux’.

Mein Tipp: Leider sind gerade bei Ziergräsern immer wieder falsch etikettierte Pflanzen im Handel. Daher sollte man diese Pflanzen besser in einer spezialisierten Staudengärtnerei kaufen.