In vielen Blumengeschäften und Gartencentern kann man zur Zeit üppig blühende Exemplare der Lenzrose (Helleborus x hybridus) bestaunen. Das deutlich zunehmende Angebot dieser wunderbaren Winterblüher freut mich in besonderem Maß, wurde der exaltierten und dabei erstaunlich pflegeleichten Staudenschönheit in der Vergangenheit doch viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt.
In normalen Jahren schieben die hartgesottenen Blütenwunder ihre ersten Knospen bereits ab Januar aus dem kalten Gartenboden. Leichter Frost und Schnee scheinen den robusten Gewächsen nichts auszumachen, und so erfreuen sie den nach Frühling dürstenden Gärtner mit ihrem auffälligen, farbenreichen Blütenschmuck zu einer Zeit, da der Garten sonst noch tief und fest schläft.
Der lange, strenge Winter hat in diesem Jahr jedoch selbst die Blütezeit der kälteresistenten Lenzrose verschoben. Ich kann mich nicht erinnern, solch einen späten Saisonstart schon einmal erlebt zu haben. Und so stammen die derzeit feilgebotenen, voll erblühten Helleborus-Exemplare meistens aus den warmen Gefilden des Treibhauses. Die ansonsten so robusten Stauden werden durch die verweichlichende Produktion im künstlichen Frühling sichtlich geschwächt und verlieren an Vitalität. Pflanzt man diese in den Garten, macht ihnen oftmals schon ein leichter Frost den Garaus und es dauert Jahre, bis sie sich von dieser Prozedur erholt haben. Noch schlimmer trifft es solche Lenzrosen, denen es noch nicht einmal vergönnt war, auf natürliche Weise, nämlich aus einem Samenkorn, das Licht der Welt zu erblicken. Immer häufiger werden im Labor vermehrte Helleborus angeboten, um der stetig steigenden Nachfrage und der damit verbundenen Preispolitik gerecht zu werden. Dass die charaktervollen Pflanzen diese Vermehrung schlichtweg nicht vertragen und dabei ihre Individualität und Langlebigkeit verlieren, scheint solchen Massenproduzenten egal zu sein.
Daher vermehre ich meine Lenzrosen ausschließlich auf traditionelle Weise über Samen. Ich gebe ihnen alle Zeit, die sie zur gesunden Entwicklung im Freiland brauchen und biete sie frühestens nach drei Jahren zum Kauf an. Nur dann können sie ihr ganzes Gartenpotenzial ausbilden und werden von Jahr zu Jahr üppiger und reichblühender.
Im Garten und in meiner Helleborus-Gärtnerei bestimmt also Mutter Natur wann sie erwacht, und in diesem Jahr gönnt sie sich ein wenig mehr Zeit als üblich. Ich folge ihr gerne, denn nur so ist ein erfolgreiches Wechselspiel zwischen Natur und Gärtner möglich.